Verkürzte Schulzeit überzeugt Bürger nicht. Geschrieben am Dienstag, 27. Januar 2009 von firmenpresse Bildungsbarometer zur Schulstruktur

Gelsenkirchen, Januar 2009. Die Bevölkerung ist unzufrieden mit den Vorschlägen zur Strukturreform der allgemeinbildenden Schulen. Das bestätigt das aktuelle Bildungsbarometer. Keines der Reformvorhaben vermag die Bürgerinnen und Bürger zu überzeugen. Kritik ernten die Projekte G8, Ganztagsschule und Gemeinschaftsschule. Änderungsbedarf sehen die Befragten auch beim föderalen System.



„Die Bevölkerung erkennt, dass Reformen erforderlich sind, ist aber unentschlossen, welcher Weg zum Ziel einer besseren Bildung führt“, erläutert Prof. Dr. Reinhold S. Jäger vom Zentrum für empirische pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau, die Ergebnisse der Befragung und ergänzt: „Die Unzufriedenheit der Bevölkerung zeigt: Schnellschüsse in der Bildungspolitik haben keinen Rückhalt in der Bevölkerung und gehen auf Kosten der Schülerinnen und Schüler. An der Qualität der Bildung ändern sie nichts. Darüber hinaus fehlt es der Bildungspolitik an der Vermittlungskraft, die verschiedenen Modelle transpa-rent darzustellen und zugleich plausibel zu machen, warum zwischen den Bundesländern solch massive Strukturunterschiede im Bildungssystem existieren.“

Norbert Milte, Geschäftsführer der Schülerhilfe, erfährt durch die tägliche Praxis in den Nachhilfeschulen, wo die Probleme liegen: „Die Struktur des Bildungssystems überfordert viele Schülerinnen und Schüler. Aber auch die Lehrer und Eltern leiden darunter, dass das System die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler vernachlässigt.“ Er empfiehlt: „Reformen sollten an die Erfahrungen der Eltern und Lehrkräfte anknüpfen. Daher sollten sie in die Gestaltung der Schulstruktur einbezogen werden.“

74% der Befragungsteilnehmer beklagen die Belastung durch G8. Zwar könnte den Befragten zufolge der Ganztagsunterricht helfen, G8 besser zu gestalten. Rund ein Viertel kritisierte jedoch, dass trotz des Ganztagsunter-richts zu Hause noch gelernt werden müsse. Geteilt sind die Meinungen zur Gemeinschaftsschule: Während über ein Drittel für eine Differenzierung nach der 4. Klasse stimmten, plädierte ein weiteres Drittel für eine gemeinsame Schule bis zum Abschluss der Sekundarstufe I. Weitere 25 % meinen, dass die Kinder bis zur 6. Klasse gemeinsam unterrichtet werden sollten.

Das Bildungsbarometer ist eine gemeinsame Aktion von zepf und Schülerhilfe. Das nächste Bildungsbarometer startet Anfang März. Dann steht das Thema „Nachhilfe“ auf dem Prüfstand.


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