Unternehmen und Korruption - Mit Bakschisch zum Auftrag Geschrieben am Dienstag, 11. Dezember 2007 von firmenpresse Umfrage der Personalberatung CGC Consulting bei 600 Unternehmen

München, 11. Dezember 2007 – Gibt es einen Unterschied zwischen privater Bereicherung und geschäftsfördernden Maßnahmen im Sinne von Zuwendungen? Zahlreiche Unternehmer und Manager sagen ja. Dies ist das Ergebnis einer Studie zum Thema „Korruption in deutschen Unternehmen“ der Personalberatung CGC Claus Goworr Consulting GmbH, München. Zwar macht eine Mehrheit der befragten Manager und Unternehmer (56 Prozent) keinen Unterschied zwischen privater Bereicherung und geschäftsfördernden Maßnahmen - 44 Prozent sehen es jedoch differenzierter und bejahen ethische Unterschiede. „Gerade in Ländern, in denen eine gewisse Bakschisch-Mentalität zur geschäftlichen Tagesordnung gehört, sahen immerhin 50 Prozent der Befragten Korruption als Mittel zum Zweck , um Aufträge zu erhalten“, betont Claus Goworr, geschäftsführender Gesellschafter der CGC. „Daher fordern Unternehmer und Manager auch ganz klar mehr Verständnis für ihre Situation und eine aktivere Mitarbeit durch Politik, Gesellschaft und Finanzmärkte.“

Die Manager deutscher Unternehmen sind ständig damit beschäftigt, die Grenze zwischen erlaubten Relationship Management und Korruption klar zu ziehen. Da wird ein Geschäftsessen oder das Zuschicken einer Eintrittskarte zum Fussballspiel schon einmal schnell als Korruptionsversuch gewertet. Und seit dem Siemens-Fall hat sich die Beobachtung noch deutlich verschärft. Gleichzeitig wächst der Druck durch Politik, Gewerkschaften und Verbände auf die Unternehmen. Sie sollen mehr Arbeitsplätze schaffen, Exportweltmeister sein und bleiben, steigende Gewinne und Börsenkurse erzielen. „Vor diesem Hintergrund sollten Politik, Justiz und auch die Medien die Thematik Korruption nicht zur Profilierung in Einzelfällen nutzen, sondern sich - wie sie es von den Unternehmen fordern - ihrer Verantwortung stellen“, so Claus Goworr. „Eine reine Stigmatisierung ist kontraproduktiv.“ In diesem Zusammenhang dürften die Bereiche Public Private Partnership, Sponsoring und die Übernahme sozialer Aufgaben nicht vergessen werden. „Unternehmen werden sich künftig gut überlegen, ob sie sich auf vermintes Terrain begeben, Die Nähe zu Amtsträgern bekommt schnell einen schlechten Beigeschmack, der schweren Imageschaden nach sich ziehen kann“, beklagt Claus Goworr.

Den Anstieg von Korruption im Ausland erklären sich 69 Prozent der deutschen Unternehmen mit einer gewohnheitsrechtlich anerkannten Geschäftspraxis. 44 Prozent der Unternehmen geben zu, dass sie sich gewissen Sitten anderer Länder anpassen müssen, um keine Aufträge zu verlieren. Korruption ist nur ein adäquates Mittel zum Zweck. Daneben begünstigt die Globalisierung die Korruption. 44 Prozent der Unternehmen sehen für die gesetzestreuen Firmen im Ausland ganz klar eindeutige Nachteile im Konkurrenzkampf.

Die befragten Unternehmen trennen ganz klar zwischen ihrem Einfluss auf Korruption in Deutschland und im Ausland. Nur 38 Prozent der Unternehmen glauben, deutsche Unternehmen im Ausland hätten durch ein positives Vorbild Einfluss auf die dortigen Geschäftspraktiken; wohingegen immerhin 25 Prozent überzeugt sind, man käme dort nur durch Anpassung weiter und könne am Status quo nichts ändern.

Das gute Abschneiden bei der BPI (Bribe Players Index) Umfrage erklären sich deutsche Unternehmen mit der erstklassigen Leistung und Qualität der Produkte/Dienstleistungen. 69 Prozent sehen das Vertrauen in Netzwerke und persönliche Beziehungen als wesentlichen Grund an und 44 Prozent sind der Meinung, der gute Ruf Deutschlands sei ausschlaggebend. Ein verschwindend geringer Anteil der Befragten ist der Auffassung, die Politik schaffe die Grundlagen für gute Geschäftsbeziehungen.

69 Prozent der Unternehmen sind der Ansicht, Korruption sei durch mehr Ethik und Wertebewusstsein und internationale Vereinbarungen und Verhaltenskodizes (56 Prozent) einzuschränken. Die meisten Unternehmen haben bereits einen Verhaltenskodex oder Richtlinien in ihren Unternehmensalltag eingeführt. 19 Prozent haben sogar Verhaltenskodex und Richtlinien in ihrem Unternehmen verankert. Sie halten Verhaltenskodizes für sinnvoll, wenn ihre Einhaltung nachhaltig kontrolliert wird.

Daneben fordern die Unternehmen aber auch die Politik zum Tätigwerden auf. Es sollten effektivere und transparentere gesetzliche Regelungen auf den Weg gebracht werden und mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. 40 Prozent der befragten Unternehmen halten die bestehenden deutschen Gesetze gegen Korruption für zu schwammig, 25 Prozent für ausreichend und 20 Prozent für zu wenig streng.

Bei der bundesweiten Umfrage wurden rund 600 Führungskräfte aus Unternehmen jeder Größenordnung befragt.


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